Untersuchungen zur Erkennung eines Normaldruckhydrocephalus (NPH)

Bei einem Hydrocephalus erweitern sich die Hirnkammern, und das Gehirn wird in Richtung Schädelknochen gedrückt.
(1) Gesundes Gehirn mit normal großen Hirnkammern (A), (2) Hydrocephalus mit erweiterten Hirnkammern und abgeflachten Hirnfurchen (B)

Jedes der drei typischen Symptome des NPH – Gangstörung, Demenz und Blasenschwäche – kann verschiedene Ursachen haben und sollte immer ärztlich untersucht werden. Die Gangstörung ist von den drei Beschwerden das häufigste und wichtigste Symptom. Wenn zusätzlich Gedächtniseinbußen oder Blasenschwäche bestehen, ist eine fachärztliche Untersuchung durch einen Neurologen/Nervenarzt erforderlich. Dieser kann durch eine neurologisch-körperliche Untersuchung, eine Gangtestung und einfache Gedächtnistests häufig schon die Weichen für die weitere Diagnostik stellen.

Bildgebende Untersuchungen

Je nach Befunden kann dann ein Bild vom Kopf mittels Computertomographie CT. Bildgebendes Untersuchungsverfahren, mit dem Struktur und Funktion von Geweben und Organen im Körper dargestellt werden können. Dabei werden Schnittbilder des menschlichen Körpers mit Hilfe von Röntgenstrahlen erzeugt.  (CT) oder Kernspintomographie Magnetresonanztomographie, MRT. Bildgebendes Untersuchungsverfahren, mit dem Struktur und Funktion von Geweben und Organen im Körper dargestellt werden können. Dabei werden Schnittbilder des menschlichen Körpers erzeugt. Im Gegensatz zur Röntgenuntersuchung oder Computertomografie arbeitet die Kernspintomografie nicht mit Röntgenstrahlen, sondern mit Magnetfeldern und Radiowellen.  (MRT) hilfreich sein. Beim Normaldruckhydrocephalus finden sich hier typische Veränderungen, wie z. B. die Aufweitung der inneren Hirnkammern und eine Verschmälerung des Spalts zwischen Gehirn und Schädelknochen mit abgeflachten Hirnfurchen. Außerdem können andere Erkrankungen, wie Tumore oder Durchblutungsstörungen des Gehirns, ausgeschlossen werden, die ähnliche Beschwerden verursachen können.

Probeentnahme von Liquor

Wenn aufgrund der CT- oder MRT-Aufnahme der Verdacht besteht, dass ein Normaldruckhydrocephalus vorliegt, wird danach oft eine Probeentnahme von Liquor (Hirnwasser) durchgeführt. Bei dieser sogenannten Liquorpunktion wird eine Kanüle bis zum Rückenmarksschlauch im Bereich der Lendenwirbelsäule vorgeschoben. Zwischen zwei Umhüllungen des Rückenmarks fließt der Liquor – von dort wird eine bestimmte Menge Hirn- bzw. Rückenmarkswasser entnommen. Da die Liquorräume des Rückenmarks mit denen des Gehirns in Verbindung stehen, kann die Entnahme von Liquor im Bereich des Rückenmarks zu einer Druckentlastung im Gehirn führen.

Mit der Liquorpunktion wird bei Verdacht auf einen NPH überprüft, ob die Entnahme von Liquor zu einer Druckentlastung im Gehirn führt.
Liquorpunktion

Daher werden nach der Liquorpunktion das Gangbild und die Gedächtnisleistung kontrolliert. Wenn sich die Beschwerden gebessert haben, liegt wahrscheinlich ein Normaldruckhydrocephalus vor. Bei fehlender Besserung kann mit weiteren Untersuchungen überprüft werden, ob andere Erkrankungen Ursache für die Beschwerden sind. Auch eine Wiederholung der Liquorpunktion ist sinnvoll. Da die Punktion im Bereich der Lendenwirbelsäule durchgeführt wird, spricht man auch von einer Lumbalpunktion.

An manchen Kliniken kommen anstelle der Lumbalpunktion andere Liquoruntersuchungen zum Einsatz: entweder eine Dauerdrainage Liquortest, bei dem über einen bestimmten Zeitraum (meist 3 Tage) Nervenwasser aus dem Bereich der Lendenwirbelsäule ("lumbal") in einer kontrollierten Menge in einen Behälter abgeleitet wird.  über 2–7 Tage oder Infusionstests Infusion einer bestimmten Menge Flüssigkeit in das Nervenwasser im Bereich der Lendenwirbelsäule mit gleichzeitiger Messung der Druckdifferenz im Liquorraum des Kopfes. .

Alle drei Testverfahren gelten in ihrer Aussagekraft als gleichwertig [1]. Sie dienen einerseits dazu, die Diagnose eines Normaldruckhydrocephalus zu sichern, und geben den Ärzten andererseits schon Hinweise darauf, ob die übliche Behandlung bei dem jeweiligen Patienten sinnvoll ist. Denn das Prinzip der Druckentlastung wird auch für die Behandlung des Normaldruckhydrocephalus genutzt: Über einen sogenannten Shunt (engl. Abzweigung) wird „überschüssiger“ Liquor aus dem Gehirn abgeleitet.

Mehr Informationen zur

Quellen
[1] Kiefer M, Unterberg A: Differenzialdiagnose und Therapie des Normaldruckhydrozephalus. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(1–2): 15–26.
[2] Krauss JK, von Stuckrad-Barre SF: Clinical aspects and biology of normal pressure hydrocephalus. Handb Clin Neurol 2008; 89: 887–902.
[3] WH Paulus et al.: Normaldruckhydrocephalus. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, 4., überarbeitete Auflage, Thieme Verlag 2008.