Die Geschichte von Johanna

Mit dieser Patientengeschichte möchten wir Ihnen die Erkrankung sowie Untersuchungen und die Behandlung aus der Sicht eines Betroffenen schildern. Die Geschichte basiert auf einem realen Patientenfall. Name und Bild wurden jedoch geändert.

Reizblase oder steckt doch mehr dahinter?

Ich bin Johanna. Vor einigen Monaten bemerkte ich eine hartnäckige Blasenschwäche, die immer schlimmer wurde. Ich musste sehr viel häufiger zur Toilette: Meist kam nur wenig oder dann wieder sehr viel Urin, und zuletzt habe ich es oft nicht mehr rechtzeitig zur Toilette geschafft. Ich habe mich so geschämt, dass ich nicht mehr zur Gymnastik gegangen bin. Eine leichte Blasenschwäche hatte ich schon lange –  nach drei Kindern und mit meinen 63 Jahren ist das ja nicht ungewöhnlich. Mein Gynäkologe riet mir dann auch zu Beckenbodengymnastik. Aber ich war mir sicher, dass die Beschwerden jetzt anders waren.

Von Arzt zu Arzt

Deshalb bin ich zum Urologen gegangen, um mir eine zweite Meinung zu holen. Der konnte eine Blasenentzündung ausschließen und meinte, dass meine Beschwerden nicht durch eine Beckenbodenschwäche zu erklären seien.

Nach dem Besuch beim Urologen wollte ich noch schnell ein paar Besorgungen machen. Zu Hause fiel mir dann auf, dass ich die Hälfte vergessen hatte. Als ich meinem Mann scherzhaft von dieser „Schusseligkeit“ erzählte, nickte er nachdenklich und sagte, dass ihm diese „Schusseligkeit“ schon länger aufgefallen wäre und ihm sogar zunehmend Sorgen bereiten würde. So hatte ich wohl wiederholt die Herdplatte angelassen. Daraufhin habe ich einen Termin beim Hausarzt gemacht. Der untersuchte mich, fragte nach „Stress zu Hause“, Schlafstörungen und versuchte, mich zu beruhigen.

Weil sich meine Beschwerden nicht besserten, wurde ich immer unsicherer und verließ immer seltener das Haus. Schließlich schlug mein Mann einen gemeinsamen Termin beim Nervenarzt (Neurologen) vor. Der hat nach einer langen körperlichen Untersuchung einen leichten Seemannsgang mit Balancestörung und kleinen Schritten festgestellt. Er hat auch einen Gedächtnistest (Demtect) mit mir gemacht. Dabei habe ich wohl eher unterdurchschnittlich abgeschnitten. Wegen dieser Auffälligkeiten hat mich der Nervenarzt direkt in eine Röntgenpraxis im nächsten Krankenhaus geschickt, „um eine Gehirnerkrankung auszuschließen“. Da hatte ich schon ganz schön Angst, aber ich wollte auch unbedingt wissen, was es ist und ob man es behandeln kann.

Der Radiologe hat eine Erweiterung der inneren Hirnkammern festgestellt. Er meinte, dass meine Beschwerden dadurch erklärbar wären und ich keine Angst vor Alzheimer oder Parkinson haben müsse.

Endlich wissen, was es ist

Ich sollte dann noch für einige Tage ins Krankenhaus, und zwar in die neurologische Abteilung. Gleich am zweiten Tag wurde meine Gehstrecke mit einer Stoppuhr gemessen. Dann wurde eine Nervenwasserpunktion am Rücken durchgeführt. Die war bis auf den „Pieks“ nicht schmerzhaft. Zwei Stunden nach der Nervenwasserentnahme passierte etwas Eigenartiges: Meine Beine kamen mir leichter vor, ich fühlte mich sicherer beim Gehen, und das Benommenheitsgefühl wurde auch weniger. Beim Gedächtnistest wurde ich nicht besser, aber für 3 bis 4 Tage musste ich nur noch etwa 6- bis 8-mal am Tag zur Toilette zum Wasserlassen statt davor 15-mal. Nach einer Woche wurde das Gehen dann wieder schlechter und auch die Blasenschwäche nahm wieder zu.

Die Neurologen waren sich danach sicher, dass ich einen sogenannten Normaldruckhydrocephalus (NPH) habe. Sie rieten mir zu einer Operation, bei der mit einem Schlauch eine Verbindung zwischen den Hirnkammern und dem Bauchraum geschaffen wird. Dadurch habe ich dann ständig so eine Druckentlastung wie kurz nach der Hirnwasserpunktion. Es ist zwar schade, dass man die Krankheit nicht richtig heilen kann, aber ich bin froh, dass die Beschwerden behandelt werden können. Wenn ich dann wieder sicher laufen und das Wasser wieder halten kann, werde ich bestimmt auch wieder häufiger aus dem Haus gehen.