Die Behandlung des Normaldruckhydrocephalus (NPH)

Der Shunt verläuft unter der Haut und leitet Liquor von den inneren Hirnkammern in die Bauchhöhle ab.
Der Shunt leitet Liquor von den inneren Hirnkammern in die Bauchhöhle ab

Zur Behandlung des Normaldruckhydrocephalus wird das aufgestaute Hirnwasser durch einen biegsamen Schlauch aus den Hirnkammern in die Bauchhöhle oder (sehr selten) in den rechten Vorhof im Herzen abgeleitet. Dieser sogenannte Shunt (engl. Abzweigung) wird durch eine Operation eingelegt. Er verläuft unter der Haut und bleibt dauerhaft im Körper. Immer wenn der Druck in den Hirnkammern steigt, wird etwas Hirnwasser (Liquor) über den Shunt abgeleitet. Die Menge des abfließenden Liquors wird durch ein Ventil bestimmt, das am Shuntsystem befestigt ist. Es dient außerdem dazu, den Rückfluss von Hirnwasser zu vermeiden.

Das abgeleitete Hirnwasser wird in der Bauchhöhle über kleine Blutgefäße des Bauchfells in die Blutbahn zurückresorbiert. Bei einem Shunt, der im rechten Vorhof des Herzens endet, gelangt der Liquor direkt in die Blutbahn.

Durch diese Behandlung kommt es zu einer Druckentlastung im Gehirn. Dadurch können die Beschwerden bei 70 bis 90 % der Patienten gebessert werden [1,2]. Das kann beispielsweise bedeuten, dass man wieder normal gehen und das Wasser besser einhalten kann. Wenn vor der Operation schon erhebliche Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit vorlagen, werden durch die Behandlung allerdings meist nur noch geringe Verbesserungen in diesem Bereich erzielt.

Der Shunt bleibt lebenslang im Körper, um den Hydrocephalus unter Kontrolle zu halten. Er kann aber nicht dessen Ursache(n) beheben. Diese sind bisher nicht eindeutig geklärt.

Die Richtigkeit der Diagnose ist entscheidend für den Erfolg der Operation. Erst wenn die typischen Symptome, charakteristische Zeichen in der Computer- oder Kernspintomographie und ein positives Ergebnis der Liquoruntersuchung vorliegen, kann die Diagnose als gesichert angesehen werden. Nur dann ist eine Shunt-Operation sinnvoll. Durch dieses Vorgehen wird auch vermieden, dass Patienten operiert werden, bei denen in Wirklichkeit kein Hydrocephalus vorliegt.

Quellen
[1] Kiefer M, Unterberg A: Differenzialdiagnose und Therapie des Normaldruckhydrozephalus. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(1–2): 15–26.
[2] WH Paulus et al.: Normaldruckhydrocephalus. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, 4., überarbeitete Auflage, Thieme Verlag 2008.
[3] Krauss JK, von Stuckrad-Barre SF: Clinical aspects and biology of normal pressure hydrocephalus. Handb Clin Neurol 2008; 89: 887–902.